12 Jan Bunter Sport macht Sinn

Wenn der kleine Admir (Name geändert) die Sporthalle betritt, leuchten seine Augen; dann rennt er zunächst einmal im Kreis und folgt mir dann neugierig in den Geräteraum, um zu schauen, was ich aufbauen möchte „Was machen wir heute? Fußball?“ Admir ist nun seit 4 Monaten in Amelinghausen und kommt aus Montenegro. Er war bei seiner Ankunft sehr schüchtern, wollte kaum eine der Übungen mitmachen, saß eher am Rand,  aber jetzt ist er schon selbstverständlich Teil der Sportgruppe der nachschulischen Betreuung in Amelinghausen. Er hat Spaß an Bewegung und an Herausforderungen. Bei der „Mutprobe“, der Aufgabe von einem Minitrampolin über einen Kasten zu springen, ist er ganz vorne dabei und möchte es unbedingt probieren. Das sind die Momente, die besonders viel Spaß machen und es ist eine große Freude zu sehen, wie schnell Kinder sich an neue Umgebungen, neue Gepflogenheiten anpassen können.

Seit ca. 2 Jahren leite ich nun als Sportlehrerin 2 Sportgruppen beim MTV Amelinghausen, die aus ca. 50 % heimischen und 50% geflüchteten Grundschulkindern bestehen. Die erste Gruppe ist Teil der nachschulischen Betreuung, ca. 15 Kinder, die einmal wöchentlich kommen, im Winter in die Sporthalle und im Sommer auf den Sportplatz oder in den Wald. In die zweite Gruppe kommen Kinder, die von den Grundschullehrern ausgewählt werden, weil sie etwas Nachholbedarf im motorischen, sprachlichen oder sozialen Bereich haben. Die Inhalte sind angelehnt an das Programm des Sportunterrichtes der Grundschule, nur mit dem Unterschied, dass die Kinder hier in Gruppen von bis zu 14 Kindern viel mehr Möglichkeiten haben, Übungen auszuprobieren, selbst kreativ werden zu  können und sich Herausforderungen auszudenken. Ängstliche Kinder können mit Hilfe von Übungsreihen langsam an Schwierigkeiten herangeführt werden, es gibt mehr Zeit und Raum für Fragen und Wünsche, mehr Zeit auf die Bedürfnisse der geflüchteten Kinder einzugehen.

Vor 2 Wochen startete nun eine weitere Gruppe, die wir dank der tollen finanziellen Unterstützung des LandesSportBundes Niedersachsen e.V. (Förderprogramm „Integration im und durch Sport“) zusätzlich ins Leben rufen konnten.

Es ist eine Mutter–Kind–Gruppe, bestehend aus deutschen und ausländischen Müttern mit ihren Kindern im Alter von 1-5 Jahren. In den ersten beiden Stunden nahmen dank der sehr guten Zusammenarbeit von Sozialraumbüro und Sportverein bereits 6 Familien an dem Unterricht teil. Die Sozialarbeiter der Samtgemeinde sprachen die Familien konkret an und alle willigten ein, zu kommen. In der ersten Stunde trafen wir uns im Amelinghausen, einer Begegnungsstätte für Einheimische und Geflüchtete, bei Tee und Süßem. Wir klärten die Zeiten, lernten uns ein wenig kennen und gingen dann gemeinsam in die Sporthalle – eine gute Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Dort probierten wir erste Übungen aus für Kinder und Mütter. Mit viel Geschick und großem Spaß versuchte sich Groß und Klein an einfachen und schwierigen Balancierübungen. Mit lautem und engagiertem Gesang „Alle Leut, alle Leut“ beendeten wir die Stunde.

Es ist für uns als Sportverein eine große Erleichterung, dass neben KSB-Logo-Head-w250dem klar geWillen der Samtgemeinde Amelinghausen dieses Angebot fortzuführen und der finanziellen Unterstützung vom LandesSportBund Niedersachsen e.V. auch von der Begleitung und Beratung durch KreisSportBund Lüneburg e.V. zu dem Thema integratives Engagement für Geflüchteten durch Sport zu profitieren.logo_landessportbund_niedersachsen

Ich hoffe, dass mein Bericht all denjenigen Mut macht, die Lust haben, ähnliche Projekte aufzubauen. Wir geben unsere Erfahrungen gerne weiter.

Cora Wulf